Helmuth von Moltke – ein bemerkenswerter Lebensweg
Der Namensgeber des Turmes, Helmuth Karl Bernhard von Moltke, war neben Otto von Bismarck und Allbrecht von Roon einer der wichtigsten Weggefährten des preußischen Königs und deutschen Kaisers Wilhelm I. Otto von Bismarck war als politischer Kopf von 1862 bis 1890 mit kurzer Unterbrechung (1873, Allbrecht von Roon) preußischer Ministerpräsident, seit April 1867 in Personalunion Kanzler des Norddeutschen Bundes und von 1871 bis 1890 Reichskanzler. Hellmuth von Moltke wurde 1858 zum Chef des Großen Generalstabs der Armee ernannt und bekleidete dieses Amt drei Jahrzehnte lang, seit 1871 zusätzlich als Generalfeldmarschall. Allbrecht von Roon war von 1859 bis 1873 Kriegsminister und in Personalunion von 1861 bis 1871 Marineminister. Im November 1873 trat er aus gesundheitlichen Gründen von allen Ämtern zurück.
Dass diesen Persönlichkeiten im ehemaligen brandenburgisch-preußischen Kurfürstentum Minden, ab 1815 preußische Provinz Westfalen, Denkmäler gesetzt wurden, ist nur folgerichtig. Westlich der Porta Westfalica auf dem Wittekindsberg wurde am 18. Oktober 1896 das Kaiser-Wilhelm-Denkmal eingeweiht, östlich der Porta Westfalica auf dem Jakobsberg am 18. Oktober 1902 der Bismarckturm. Der Bismarckturm steht leider nicht mehr, er musste 1953 dem ersten Fernsehturm weichen. Der ursprünglich zur Landvermessung und als Aussichtsturm genutzte Turm auf dem Wittekindsberg ist seit 1906 Helmuth von Moltke gewidmet.
Helmuth von Moltke wurde am 26. Oktober 1800 als dritter Sohn in Parchim geboren, 1803 zog die Familie nach Lübeck. Wie Bismarck stammte er aus Mecklenburg, war kein Preuße und kam wie die Militärreformer Gerhard von Scharnhorst und August von Gneisenau aus einfachen Verhältnissen. Moltkes Vater Friedrich Philipp von Moltke wirtschaftete erfolglos, die Landwirtschaft interessierte ihn nicht, die vom Schwiegervater erworbenen Güter konnte er nicht halten. Er trat 1806 in dänische Dienste, wo er es bis zum Generalleutnant brachte, und lebte bis zu seinem Tod getrennt von seiner Familie. Die bescheidenen finanziellen Verhältnisse der Familie waren der Grund dafür, dass Helmuth und seine beiden älteren Brüder ohne Rücksicht auf persönliche Neigungen für eine militärische Laufbahn bestimmt waren. 1811 wurden sie für sechs Jahre in dänischen Kadettenanstalten untergebracht - Helmuth und Friedrich in der Land-Kadettenanstalt in Kopenhagen. Es folgte ein weiteres Jahr als Page am dänischen Königshof. 1819 wurden Helmuth und Friedrich mit dem Rang eines Leutnants in die Armee entlassen - Helmuth in das dänische Infanterieregiment in Rendsburg.
Da er die Aussichten auf eine erfolgreiche Offizierslaufbahn in der kleinen dänischen Armee als gering einschätzte, bemühte er sich um eine Übernahme in die preußische Armee. Nach bestandener Offiziersprüfung wurde er 1822 als Sekondeleutnant eingestellt und kam nach Frankfurt an der Oder. Dort qualifizierte er sich in kürzester Zeit für die Aufnahme in die Allgemeine Militärschule in Berlin. Seine Ausbildung zum Stabsoffizier dauerte 3 Jahre (1923-1926). Der überwiegende Teil des Unterrichts war nicht militärischer Natur. Die jungen Offiziere wurden in Naturwissenschaften, Literatur, Geschichte und Sprachen unterrichtet. Die Militärschule wurde 1810 auf Initiative von Gerhard von Scharnhorst gegründet. Scharnhorst hatte bereits 1801 mit einer Anzahl junger Offiziere und einigen Gelehrten die Militärische Gesellschaft gegründet, die Keimzelle der Militärschule. 1810 ist auch das Gründungsjahr der Berliner Universität. Den Aufenthalt in Berlin nutzte er, soweit es seine bescheidenen Mittel erlaubten, zur Weiterbildung; er war Gasthörer an der Universität (wie auch Allbrecht von Roon), besuchte Konzerte, Theater und Museen. Um sein geringes Gehalt aufzubessern, schrieb er Novellen, die er in Zeitschriften veröffentlichte.
1828 wurde er in das Topographische Bureau des Großen Generalstabs nach Berlin kommandiert, 1832 in den Großen Generalstab und 1833 als Premierleutnant dorthin versetzt. 1835 unternahm er eine halbjährige Studienreise, die ihn nach Wien, Neapel, Athen und Konstantinopel führte. Zur gleichen Zeit bat der türkische Sultan Mahmud II. den preußischen König Friedrich Wilhelm III. um die Entsendung von Militärberatern zur Reorganisation der türkischen Armee nach europäischem Vorbild. Anfang 1836 erhielt er das Kommando, die türkischen Truppen nach europäischem Vorbild auszubilden und zu organisieren. In dieser Zeit nahm er an Feldzügen gegen die in Syrien operierende ägyptische Armee und an der Schlacht von Nizip am Euphrat teil. Weitere Ereignisse seiner Reise waren umfangreiche kartographische Arbeiten in Form der ersten maßstabsgetreuen Karten von Konstantinopel, der Dardanellen, der Aufnahme von Armenien und Turkestan. Ende 1839 wurde er nach Berlin zurückberufen. Bereits 1841 erschienen seine Aufzeichnungen aus diesen vier Jahren, zunächst unter dem Titel Briefe über die Zustände und Begebenheiten in der Türkei aus den Jahren 1835 bis 1839. Diese Reiseerlebnisse gelten als Klassiker der Reiseliteratur und werden bis heute unter dem Titel Unter dem Halbmond immer wieder neu aufgelegt.
Am 20. Juli 1969 landet die Raumfähre Eagle auf dem Mond. Unweit des Kraters Moltke. An Bord: Edwin Aldrin und Neil Armstrong. Die Astronomen Johann Krieger und Rudolf König hatten diesen Krater in ihrem Mondatlas von 1898 Moltke genannt. Die Internationale Astronomische Vereinigung schreibt dazu in ihrer Begründung: Sein Name steht auf dem Mond in Anerkennung seiner großen Verdienste um die Selenographie, als er die Veröffentlichung von Schmidts Mondkarte (1878, Julius Schmidt) durch die preußische Regierung förderte. Moltke selbst unternahm viele Vermessungs- und Kartierungsarbeiten in terrestrischen Regionen, einschließlich einiger Teile Asiens, in denen seit Xenophon kein anderer Europäer mehr gewesen war.
aus Memoirs of the British Astronomical Association ...
Im April 1840 wurde Helmuth von Moltke in den Generalstab des IV. Armeekorps mit Sitz in Berlin berufen (1842 Major). Er war nun in seinem 40. Lebensjahr, immer noch Junggeselle, weit entfernt von seiner Familie in Holstein, die er vermisste. Besonders seine Schwester Auguste sorgte sich um ihren geliebten Bruder. Auguste von Moltke war seit 1934 mit John Heyliger Burt verheiratet, einem Witwer aus England und Vater von drei Kindern. Die jüngste Tochter, Mary, 1826 geboren und gerade 15 Jahre alt, hatte Auguste für ihren Bruder ausgesucht. Trotz des großen Altersunterschieds glaubte sie, dass ihre Stieftochter Mary gut zu ihrem Bruder passen würde. Im April 1841 reiste er zur Brautschau nach Itzehoe. Beide mochten sich, waren aber zunächst von den Umständen überfordert. Auf Wunsch des Vaters wurde eine einjährige Verlobungszeit festgelegt. In dieser Zeit führten die beiden einen regen Briefwechsel und kamen sich näher. Im April 1842 wurde geheiratet.
Marie von Moltke, um 1850
Helmuth von Moltke, um 1850
Während der vielen Trennungen, die sein Beruf mit sich brachte, schrieben sich die beiden viel und gern. Seine Abwesenheit als Adjutant, die Reisen des Generalstabs, die monatelangen Manöver, an denen er teilnahm, die Feldzüge - immer fand er Zeit, ihr in Briefen seine Eindrücke von den Orten, die er besuchte, von dem, was ihm widerfuhr, von den Menschen, denen er begegnete, zu schildern, und immer war er um ihr Wohlergehen besorgt.
1848 wurde Helmut von Moltke als Chef des Generalstabes des IV. Armeekorps nach Magdeburg versetzt (1851 Oberst). Am 2. Juni 1852 reiste er mit dem Zug von Magdeburg nach Minden, um sich in Rehme (heute Bad Oeynhausen) einer Kur zu unterziehen. In seinem Brief an seine Frau Marie vom 3. Juni 1852 schreibt er, dass er um halb vier am Bahnhof in Minden ankam und nach seinem Pass gefragt wurde, den er nicht dabei hatte. Aufgrund seiner Bekanntheit wurde ihm die Einreise nach Preußen gestattet. Er mietete sich für 1 1/2 Taler einen Einspänner und fuhr nach Rehme. Dort bezog er Quartier im Haus Westfalen. Das 1848 erbaute Haus Westfalen war eines der ersten Pensionshäuser des Kurortes (1977/78 abgerissen). Er hatte ein Giebelzimmer nach Südwesten mit einem herrlichen Blick Richtung Bergkirchen auf das Wesertal und die dahinter liegenden Berge. Nach dem Bad genoss er die gute Luft und den Vollmondschein und ließ sich anschließend Spargel mit westfälischem Schinken servieren.
Am nächsten Nachmittag fuhr er mit dem Zug zur Porta, setzte mit dem Schiff über und stieg langsam zum Wittekindsturm (Moltketurm) hinauf. Er schreibt darüber (4. Juni 1852): Ich saß wohl eine halbe Stunde auf der Warte, das schöne Land überschauend, das sich über die Buchenwipfel hinaus nach Süden durch die Bielefelder Berge, nach Norden unabsehbar zur Ebene abflacht. Sein Rückweg führte ihn an der Margarethenkapelle vorbei über einen steilen Pfad nach Wedigenstein. Von dort nahm er einen Fußweg an der Weser entlang, der 1300 Schritte kürzer war als die Chaussee, und war abends um halb neun zurück.
Haus Westfalen, um 1935
Im Oktober 1857 stirbt der Chef des Großen Generalstabs, Karl von Reyher. Helmuth von Moltke wird kommissarisch mit der Führung der Geschäfte beauftragt und am 18.09.1858 offiziell zum Chef des Großen Generalstabs ernannt. Damit hatte er die wichtigste Dienststellung erreicht, von der erst nach drei Jahrzehnten durch Kaiser Wilhelm II entbunden werden sollte.
Helmuth von Moltke sah im Großen Generalstab die allein zuständige Institution für Fragen der operativen Kriegsvorbereitung, des Aufmarsches und der Operationsführung. Er forderte daher die Freiheit der Operationsführung von jeder zivilen Kontrolle und das Beratungsmonopol des Generalstabschefs gegenüber dem Oberbefehlshaber. Dieses Beratungsmonopol gewährte ihm der preußische König Wilhelm I., mit dem ihn ein tiefes Vertrauensverhältnis verband, erstmals in der Endphase des Deutsch-Dänischen Krieges am 30.04.1864. Im Deutschen Krieg von 1866 wurde er für die Dauer des Krieges zum Chef des Generalstabes der Armee im Großen Hauptquartier ernannt.
Der Deutsche Krieg beendete den deutschen Dualismus, die Vormachtstellung der Habsburgermonarchie im Deutschen Bund. Die wichtigsten innerdeutschen Folgen waren der Ausschluss Österreichs aus dem Deutschen Bund und die Gründung des Norddeutschen Bundes, dessen Präsident der preußische König Wilhelm I. wurde. Bundesgrenze im Süden war der Main. Die mit Österreich im Krieg verbündeten Staaten wurden annektiert. Dazu gehörten das Königreich Hannover, das Herzogtum Nassau, die Freie Stadt Frankfurt und das Kurfürstentum Hessen. Die Nordgrenze des Bundes bildete das nun preußische Herzogtum Schleswig-Holstein.
Am 19. Juli 1870 erklärte Frankreich Deutschland den Krieg. Helmuth von Moltke war wie im Deutschen Krieg Chef des Generalstabes im Großen Hauptquartier. Der Sieg von Sedan (2. September 1870) und die Absetzung Napoleons III lösten in Deutschland Begeisterungsstürme aus, führten aber nicht zum Frieden, die dann folgende monatelange Belagerung der Pariser Forts ohne deutsche Kampfhandlungen auch nicht. Otto von Bismarck stellte das Beratungsmonopol des Generalstabs gegenüber dem Oberbefehlshaber inzwischen in frage, ganz im Sinne von Carl von Clausewitz, wonach der Krieg eine politische Entscheidung sei. Daher müsse der Staatsmann schon vor dem Ende des Krieges die letzten militärischen Operationen im Sinne der zu erwartenden oder gedachten Friedensregelung gestalten.
Was war der Auslöser für das Zerwürfnis zwischen Otto von Bismarck und den Militärs im Großen Hauptquartier? Bismarck wollte unbedingt einen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen. In seinem Brief an seine Frau Johanna vom 22.11.1870 (Versailles) schreibt er sinngemäß: Allbrecht von Roon ist krank vor Wut und Bitterkeit über die Intrigen gegen die Beschießung der Pariser Forts. Unsere guten Soldaten müssen im Granatfeuer schlafen und dürfen nicht angreifen. Die feindlichen Angriffe und Krankheiten hatten schon 10.000 deutschen Soldaten das Leben gekostet. Otto von Bismarck glaubt, dass der König von der Generalität getäuscht wird. Er vermutet eine Verschwörung bis in den Generalstab hinein, der ihm, mit Ausnahme des guten und klugen Moltke, gar nicht gefällt. Ihm (dem Generalstab) sei der Erfolg kaiserwahnsinnig in die Krone gefahren, und er sehe eine anmaßende Selbstüberschätzung des Stabes, der sich mit Moltkes Namen schmücke. Moltke selbst sei alt geworden. In der Auseinandersetzung zwischen Otto von Bismarck und Helmut von Moltke ermöglicht der Machtspruch des Königs zugunsten Bismarcks den Frieden mit Frankreich. Die deutschen Armeen greifen - wie von Bismarck und Roon seit Monaten gefordert – die Pariser Forts an und beenden den Belagerungszustand. Am 28. Januar kapituliert die Pariser Regierung.
Graf Moltke in seinem Arbeitszimmer in Versailles, Gemälde Anton von Werner
Otto von Bismarck konnte die Annexion Elsass-Lothringens nicht verhindern, zu stark war der Wille zum Gebietsgewinn bei Militär und Adel. Immerhin konnte er nach dem Sieg bei Königgrätz/Sadova auch gegen den Willen des Königs den Weitermarsch nach Wien verhindern. Allbrecht von Roon neigte zwar jeweils den Argumenten und Kompensationsforderungen der Militärs und Wilhelms I. zu, unterstützte aber letztlich die vor allem an außenpolitischen Maximen des Mächtegleichgewichts orientierte Politik Bismarcks.
Der Deutsche Krieg machte Helmut von Moltke berühmt, der deutsche Sieg über Frankreich zu einer Lichtgestalt. Seine Siege über die Armeen zweier europäischer Großmächte machten ihn zum erfolgreichsten Feldherrn seiner Zeit. Der 2. September wird für ein halbes Jahrhundert der erste deutsche Nationalfeiertag. Sedantag und Moltke begründen das nationale Zusammengehörigkeitsgefühl im neu gegründeten Kaiserreich. Der Chef des Generalstabs wird in den Grafenstand erhoben und zum Generalfeldmarschall ernannt. Nach dem Krieg gegen Frankreich wird dem Generalstab die Kriegsakademie unterstellt, die Moltke zur Fachhochschule ausbaut. Der Lehrstoff für den Offiziersnachwuchs war militärischer Natur, staatsbürgerliche Bildung war nicht mehr vorgesehen.
Am Sedantag 1873 wird in Berlin die Siegessäule auf dem Königsplatz (Platz der Republik) eingeweiht. Sie erinnert an die drei Einigungskriege: den Deutsch-Dänischen Krieg von 1864, den Deutschen Krieg von 1866 und den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. 1938 wurde die Säule zum Großen Stern versetzt, wo sie noch heute zusammen mit dem Bismarck-Nationaldenkmal und den Denkmälern von Moltke und Roon steht.
Seine Bitten an den König und Kaiser Wilhelm I., ihn aus Altersgründen in den Ruhestand zu versetzen, lehnte dieser stets ab. Erst Wilhelm II. gab 1888 seinem Wunsch nach. Da war er 88 Jahre alt.
Für seine Leistung im Deutschen Krieg verlieh ihm König Wilhelm den Schwarzen Adlerorden, die höchste preußische Auszeichnung, ernannte ihn zum Chef eines Regiments, das einst August Neidhardt von Gneisenau befehligt hatte, und schenkte dem Generalstabschef 200.000 Taler für den Kauf von Grund und Boden. Der älteste Moltke-Stamm (Linie Samow) besaß seit fast 100 Jahren keinen Grundbesitz mehr. Sein Lebenstraum, sich mit seiner verstreut lebenden Familie auf eigenem Grund und Boden zu sammeln, schien in Erfüllung zu gehen. Seine Wahl fiel auf ein etwas heruntergekommenes Rittergut in Kreisau/Krzyzowa in Schlesien, das er für 240.000 Taler erwarb. Für 78 Jahre und vier Generationen wurde das Gut Kreisau zum Sammelpunkt der Familie.
Graf Moltke in seinem Arbeitszimmer in Kreisau
Anfang Dezember 1868 besuchte Marie von Moltke einen Wohltätigkeitsbasar im Niederländischen Palais in Berlin. Nach ihrer Rückkehr scheint sie sich leicht erkältet zu haben, erkrankt aber an einem sehr schmerzhaften rheumatischen Fieber, einer sprunghaften Entzündung der Gelenke. In den nächsten zwei Wochen kommt eine Entzündung der Herzwand hinzu. Immer öfter verliert sie das Bewusstsein. Marie von Moltke, geborene Burt, stirbt am 24. Dezember 1868 im Alter von nur 42 Jahren. Nach Maries Tod zogen seine Schwester Auguste und sein Bruder Friedrich, beide verwitwet, zu ihm in das Generalstabsgebäude. Auf einem Waldhügel unweit des Gutes Kreisau ließ Helmuth von Moltke nach eigenem Entwurf eine Grabkapelle für seine Frau Marie errichten.
Helmuth Karl Bernhard von Moltke stirbt am 14. April 1891 im Alter von 91 Jahren im Generalstabsgebäude in Berlin, er überlebt sechs seiner sieben Geschwister. Sein Bruder Friedrich, mit dem er ab 1811 für sechs Jahre die Kopenhagener Kadettenanstalt besucht, stirbt bereits 1874, seine Schwester Auguste 1883. Er wird neben seiner Frau Marie in der Grabkapelle auf dem Kapellenberg in Kreisau beigesetzt.
Die Ehe von Marie und Helmuth von Moltke blieb kinderlos. Deshalb wandelte er das Gut in ein Fideikommiss um, um es für alle Zeiten geschlossen zu halten. Nur ein Familienmitglied sollte das alleinige Besitzrecht erhalten und daraus Erträge erzielen können. Wie von ihm verfügt, wurde der älteste Sohn seines Bruders Adolph, Wilhelm, neuer Besitzer des Gutes.
Der letzte Gutsbesitzer war der Rechts- und Staatswissenschaftler Helmuth James von Moltke, der am 11. März 1907 in Kreisau geboren wurde. Helmuth James von Moltke war durch sein Elternhaus christlich und sozial geprägt. So engagierte er sich in den 1930er Jahren in der schlesischen Arbeitslagerbewegung, die Landarbeiter, Fabrikarbeiter und Studenten zu gemeinsamer körperlicher Arbeit und zu Diskussionen über die zukünftige Gestaltung einer freiheitlicheren und gerechteren Gesellschaft zusammenführte. Um 1940 gründete Helmut James von Moltke zusammen mit Peter Yorck von Wartenburg den Kreisauer Kreis, eine christlich geprägte Gruppe, die nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur im Deutschen Reich eine politische Neuordnung anstrebte. Der Kreis traf sich privat und ab 1942 mehrmals auf Gut Kreisau. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. April 1944 durch die militärische Widerstandsgruppe um Ludwig Beck, Stauffenberg und andere gerieten auch zivile Widerstandsgruppen wie der Kreisauer Kreis ins Visier der Gestapo. Es folgten weitere Verhaftungswellen und Hinrichtungen. Acht Mitglieder des Kreisauer Kreises wurden in der Strafanstalt Plötzensee hingerichtet: Peter Yorck von Wartenburg, Hans Bernd von Haeften, Adam von Trott zu Solz, Adolf Reichwein, Julius Leber, Theodor Haubach, Alfred Delp und Helmuth James von Moltke.
Nach dem Fall der Mauer wurde im November 1989 in Kreisau/Krzyzowa die deutsch-polnische Versöhnungsmesse gefeiert. Dies geschah auf Anregung von Helmut Kohl an seinen polnischen Amtskollegen Tadeusz Mazowiecki. Anfang 1990 wurde die Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung ins Leben gerufen. Zu den Stiftungsmitgliedern gehörte auch Freya von Moltke, die Witwe von Helmut James von Moltke. Die Internationale Begegnungs- und Gedenkstätte Kreisau/Krzyzowa wurde 1998 offiziell eröffnet.
Literatur- und Quellenverzeichnis
Jessen, Olaf, Die Moltkes. Biographie einer Familie. München 2010
Walle, Heinrich, „Moltke, Helmuth Graf von“, in: Neue Deutsche Biographie (1997), S. 13-17 (Online Version)
Moltke, Helmuth Karl Bernhard von: Helmuth von Moltkes Briefe an seine Braut und Frau, Bremen 2012
Bismarcks Briefe an seine Gattin aus dem Kriege 1870/71, Stuttgart und Berlin 1903
Memoirs of the British Astronomical Association, edited by R.M. Fry, F.R.A.S., Vol. 34, Edinburgh 1943 (page 85); https://www.adsabs.harvard.edu/full/1943MmBAA..34C...1.
Bildnachweise
Haus Westfalen, Foto Gustav Richter, um 1935, Stadtarchiv Bad Oeynhausen
Bildnisse Helmuth und Marie von Moltke, aus Meta Brix: Marie von Moltke. Eine Soldatenfrau, Stuttgart 1944
Graf Moltke in seinem Arbeitszimmer in Versailles (19. November 1870), Öl auf Leinwand, Anton von Werner, 1872, Hamburger Kunsthalle, Foto Christoph Irrgang
Graf Moltke in seinem Arbeitszimmer in Kreisau, aus Meta Brix: Marie von Moltke. Eine Soldatenfrau, Stuttgart 1944