Benektinerinnen

Am 15. August 993 bestätigte König Otto III. dem Bischof Milo von Minden, dass dieser in seiner befestigten Burg, dem "castellum Wedegenburch", ein Kloster für fromme Frauen errichten und vollenden dürfe, und stellte diesen Orden für die Zukunft unter seinen Schutz. Dies ist die erste schriftliche Erwähnung der Wittekindsburg und ihrer Nutzung in dieser quellenarmen Zeit. Für den Lebensunterhalt des Ordens hatte Milo gesorgt, indem er die drei Dörfer Hummelbeck, Jöllenbeck und Börninghausen mit 40 unfreien Familien an die dort lebenden und künftig lebenden Nonnen übertrug.   

Eine Einsiedlerin, Thetwif genannt, lebte dort wahrscheinlich vor 993. Dieser Thetwif (auch Tetwigis genannt) schlossen sich weitere Frauen an, die in ihrer Gemeinschaft die strengen Regeln des heiligen Benedikt von Nursia († um 547) praktizierten.  Es ist nicht klar, warum sich Thetwif auf dem Wittekindsberg niederließ, der zu jener Zeit ein einsamer und unwirtlicher Ort war. Möglicherweise kannten sich Bischof Milo und Thetwif und standen sich in der Tradition des heiligen Benedikt geistig und religiös nahe. Aus christlichen Texten wissen wir, dass die Berge eine besondere Anziehungskraft auf die Frommen ausüben. Auch Thetwifs Ordensvater, der heilige Benedikt, zog sich zum Beten in einsame Höhen zurück. Im Mittelalter war es durchaus üblich, dass sich Eremiten in verlassenen Bergfestungen niederließen.  

Bischof Milo, der von 969 bis 996 amtierte und ein großer Förderer des Ordens war, pflegte auch gute Kontakte zu Otto II. († 983) und später zu dessen Sohn Otto III. († 1002). Bereits 969 hatte Otto I., genannt der Große († 973), das Bistum Minden an Milo übertragen, und 977 verlieh ihm sein Sohn Otto II. das Markt-, Münz- und Zollrecht für Minden. Damit waren die wesentlichen Grundlagen für das Bistum Minden und seine wirtschaftliche Entwicklung gelegt. Im Jahr 991, das hier eine besondere Erwähnung verdient, erhielt Bischof Milo auf seine Bitte hin eine großzügige Schenkung, diesmal von Otto III. für seine treuen Dienste bei den Feldzügen gegen die Elbslawen. Gegenstand der Schenkung waren die königlichen Wälder bei Petershagen und der Mindener Wald. In dieser Urkunde wurde ihm auch ein Süntelwald westlich der Weser geschenkt, der sich auf das östliche Wiehengebirge bezieht. Im Mittelalter wurden das Wiehengebirge und das Wesergebirge  ausnahmslos als Süntel bezeichnet. Mit dieser Schenkung konnte Milo die Entwicklung des Ordens innerhalb der Wittekindsburg weiter rechtlich absichern.

Um das Jahr 1000 wurde das von Bischof Milo († 996) gegründete Kloster von seinem Nachfolger, Bischof Ramward († 1002), nach Minden verlegt. Es ist auch möglich, dass die Verlegung erst durch Ramwards Nachfolger Dietrich II. vollzogen wurde. Das genaue Gründungsjahr des Klosters in Minden lässt sich aufgrund verlorener Urkunden aus dieser Zeit nicht datieren. Sicher ist, dass der Frauenorden vom Wittekindsberg das erste Kloster war, das in Minden gegründet wurde - auf dem westlichen Hochufer der Weser am heutigen Marienkirchplatz. Was waren die Gründe für die Verlegung des Klosters? Darüber kann man nur spekulieren. Die rauen Witterungsbedingungen auf dem Berg mit Nebel und Stürmen und der Mangel an lebensnotwendigen Dingen machten es den Frauen vermutlich unmöglich, dort dauerhaft zu leben.  Von den ehemaligen Klostergebäuden sind bisher keine archäologischen Funde gemacht worden.  

Benektinerinnen

Im Jahre 1957 von Vincenz Pieper entworfenes Ostfenster im Mindener Dom.
Links Thetwif als Äbtissin dargestellt, rechts der sächsische Feldherr Widukind.
Aus: Rüthing, Heinrich, …  , siehe Literaturverzeichnis