Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica 


Denkmalbegriff 

Kaum ein Begriff ist so heterogen wie der des Denkmals. Als Denkmal kann alles anerkannt werden, wenn es vom menschlichen, besser vom herrschenden gesellschaftlichen Bewusstsein als solches anerkannt wird und wenn an dessen Erhaltung aus künstlerischen, wissenschaftlichen, technischen, geschichtlichen und städtebaulichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht. Ein Denkmal kann ein Natur- oder Bodendenkmal, ein Monument der Bau- und Bildhauerkunst, das an bedeutende Personen oder Ereignisse erinnert, es kann eine bewegliche oder unbewegliche Sache oder ein Profanbau, wie beispielsweise eine Werkshalle, sein.
Das Denkmal kann sowohl als Objekt als auch als Bezeichnung desselben existieren. Als Sprachsymbol steht es in der Regel für etwas Konkretes. So steht das Brandenburger Tor beispielsweise symbolhaft für die deutsche Einheit und als Tor in die Freiheit. Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft war das Brandenburger Tor vor allem wegen der Quadriga, die 1814 beim Einmarsch der preußischen Armee in Paris zurückerobert wurde, ein Sprachsymbol für die Befreiung Deutschlands. Das letzte noch erhaltene Stadttor Berlins wurde zum deutschen Nationaldenkmal erklärt.
Der Begriff „Denkmal” kann – wenn auch seltener – metaphorisch verwendet werden, um eine große und erinnerungswürdige Leistung zu beschreiben, durch die sich jemand ein Denkmal gesetzt hat. 
Das Wort „Denkmal” wurde im deutschen Sprachgebrauch in der Renaissance eingeführt, einer Zeit der Wiederbelebung der Antike und des aufblühenden Geisteslebens. Eine eindeutige Quelle hierfür ist die Übersetzung des Alten Testaments von Martin Luther aus dem Jahr 1523, in der er mehrfach das Wort „Denkmal” statt „Monument” (lat.) nutzt. Die Bedeutung stimmt jedoch weder mit dem antiken Verständnis von Denkmal noch mit dem heutigen Begriff überein. Es wurde lediglich als Gedächtnisstütze und Erinnerungszeichen im Allgemeinen verwendet.
Die hier behandelten Denkmäler haben nicht den erweiterten Denkmalbegriff der modernen Denkmalpflege, wie er eingangs genannt wurde, sondern den des 19. Jahrhunderts.  Es handelt sich um ein vorwiegend architektonisches oder plastisches Kunstdenkmal, das formal und ideell überhöht in Erscheinung tritt: formal, weil es häufig auf einem Sockel steht und einen exponierten räumlichen, städtebaulichen oder landschaftlichen Standort hat; ideell, weil es ausschließlich an herausragende Persönlichkeiten oder Ereignisse der Gesellschaft, der Politik oder der Kultur erinnert.   

 

Kaiser-Wilhelm-Denkmäler

Der Bau der großen, monumentalen Kaiser-Wilhelm-Denkmäler wurde durch den Tod Kaiser Wilhelms I. im Jahr 1888 angeregt. Sie werden heute – sofern sie noch erhalten sind – nach ihrem Standort benannt. Es gibt das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica, auf dem Kyffhäusergebirge, am Deutschen Eck in Koblenz und auf der Hohensyburg bei Dortmund. Hinzu kommt das im Krieg zerstörte Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal in Berlin. Von diesen wurde das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica, das die Provinz Westfalen errichten ließ, als erstes in den Jahren 1892–96 verwirklicht. Der westfälische Provinziallandtag erteilte den Architekten Bruno Schmitz und dem Bildhauer Kaspar von Zumbusch den Auftrag zur Ausführung des Denkmals. Bruno Schmitz war als Architekt auch für andere, nahezu gleichzeitig entstehende Kaiser-Wilhelm-Denkmäler verantwortlich: Er baute das Denkmal auf dem Kyffhäusergebirge in den Jahren 1892–97 zusammen mit den Bildhauern Nicolaus Geiger, Emil Hundrieser (Reiterstandbild) und August Vogel u. a. Im gleichen Jahr (1897) vollendete er das Denkmal am Deutschen Eck, ebenfalls zusammen mit Hundrieser, im Auftrag des Landtages der Rheinprovinz. Neben diesen Denkmälern entstand auf der Hohensyburg bei Dortmund ein weiteres nach den Plänen von Hubert Stier, das im Jahr 1902 eingeweiht wurde. 

Das zentrale und offizielle Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal wurde 1897 im neobarocken Stil in der damaligen Reichshauptstadt Berlin errichtet. Die Planung oblag dem Architekten Gustav Halmhuber, die bildhauerischen Arbeiten führte Reinhold Begas aus. Bauherr war der Deutsche Reichstag. Das Denkmal wurde gegenüber der Westfassade des Berliner Schlosses auf einer eigens zu diesem Zweck in die Spree eingebauten Halbinsel platziert. 

Das kriegszerstörte Denkmal existiert nicht mehr, wohl aber der Unterbau.  Auf diesem soll gemäß dem Bundestagsbeschluss von 2007 das Freiheits- und Einheitsdenkmal errichtet werden.  

Diese monumentalen Kaiser-Wilhelm-Denkmäler lösten schließlich einen regelrechten Denkmalsboom aus. Jede größere oder kleinere Stadt und auch manches Dorf erhielt ein Reiterstandbild, eine Büste oder ein Standbild des Kaisers, je nach finanzieller Situation. 

Hauptinitiator des Kaiser-Wilhelm-Kultes war Kaiser Wilhelm II., der seinen Herrschaftsanspruch allein mit der Gestalt seines Großvaters, des Siegers von Sedan und Reichsgründers, legitimierte und ihn als den Großen titulierte. 

Wilhelm I. hätte diese Denkmäler nicht befürwortet, denn es war seine Bescheidenheit und Nüchternheit, die eine Verehrung seiner Person in dieser überhöhten Form nicht zuließen.

Das Denkmal an der Porta Westfalica

Die Idee, in der preußischen Provinz Westfalen ein Denkmal zu errichten, entstand kurz nach dem Tod Kaiser Wilhelms, der sanft und schmerzlos am 9. März 1888,  dreizehn Tage vor seinem einundneunzigsten Geburtstag, in seinem Palais Unter den Linden verstarb. 

Am 16. April 1888 regte der Dortmunder Abgeordnete Albert Hoesch an, ein weithin sichtbares Denkmal auf der Porta Westfalica zu errichten. Der Dortmunder Oberbürgermeister und Vorsitzende des Westfälischen Städtetages Karl Wilhelm Schmieding schrieb am 27. April 1888 einen Brief an alle Städte, den Oberpräsidenten und den Provinziallandtag in Münster, um den Bau eines Denkmals anzuregen, ohne die Porta Westfalica zu erwähnen. Es entstand ein Wettbewerb zwischen verschiedenen Städten und Regionen um den Standort des Denkmals. Die Entscheidung im Provinziallandtag über den Standort des Denkmals fiel im Frühjahr 1889. Im Wettbewerb waren elf Städte und Regionen. Die entscheidende Abstimmung darüber, ob das Denkmal auf einem der Ruhrberge errichtet werden sollte, verlor der Dortmunder Oberbürgermeister knapp zugunsten der Porta Westfalica. 

Der Denkmalkomplex erhebt sich auf der kegelförmigen Bergkuppe des etwa 180 Meter hohen, zur Weser hin steil abfallenden Wittekindsbergs.

Die einflussreichen Eliten der Wirtschaft im aufstrebenden Ruhrgebiet wollten sich mit dieser Entscheidung jedoch nicht abfinden. Ab 1891 wurde daher auf dem ebenfalls favorisierten Standort Hohensyburg bei Dortmund aus privaten Mitteln ein Denkmal errichtet. Der aus Hannover stammende Architekt Hubert Stier, der in dem Wettbewerb um das Denkmal an der Porta Westfalica nach Bruno Schmitz den 2. Preis erzielte, war der verantwortliche Architekt. Es handelt sich um ein Denkmal im neugotischen Stil, das fünf Standfiguren zeigt: Kaiser Wilhelm, Otto von Bismarck, Helmuth von Moltke, Kronprinz Friedrich Wilhelm (Kaiser Friedrich III.) und Prinz Friedrich Karl von Preußen. Die neugotische Form sollte dem Denkmal vor allem einen deutschen Charakter verleihen. Das mit einer Fülle von bildhauerischen Arbeiten und fünf Bronzestandbildern verzierte Denkmal wurde in den Jahren 1935–36 im klassizistisch geprägten Stil des Nationalsozialismus umgebaut und auf drei Standbilder reduziert: Kaiser Wilhelm, Otto von Bismarck und Helmuth von Moltke 

Für den Bau des Denkmals an der Porta Westfalica stellte der Provinziallandtag in  Münster 500.000 Mark bereit. Der Rest der Kosten sollte durch Spenden aufgebracht werden. Nach der Sammelaktion standen für Planung und Bau 800.000 Mark zur Verfügung. Dabei stellte man fest, dass die Kosten den vom Architekten Bruno Schmitz vorgelegten Plan bei Weitem übersteigen würden. Die daraus resultierenden Kosteneinsparungen, wie etwa die Reduzierung der Größenverhältnisse, wurden vom Architekten vehement abgelehnt. Später einigte man sich auf eine Verringerung der Erdbewegungen und eine Vereinfachung der Futtermauern, indem die Anlage um 10 Meter gegen den Berg zurückgesetzt und die untere Ringterrasse um 4 Meter gesenkt wurde. Darüber hinaus wurden weitere Bauelemente wie der Pergola-Umgang an der Hochterrasse oder bildhauerische Elemente wie die beiden Löwen an den Treppenwangen gestrichen.  

Nachdem Kaiser Wilhelm II. im Oktober 1890 den Denkmalentwurf begutachtet und seine Zustimmung zum Bau gegeben hatte, begannen im Sommer 1892 die Vorbereitungen zur Realisierung des Denkmals. Die Bauarbeiten begannen im September 1892 und zogen sich bis 1896 hin. Am 18. Oktober 1896 fand die Einweihung in Anwesenheit der kaiserlichen Familie, zahlreicher Honoratioren aus Adel und Politik sowie der Bevölkerung statt. Das Datum, der 18. Oktober, war bewusst gewählt: Es erinnerte an den Geburtstag Kaiser Friedrichs III. und den Sieg über Napoleon. Die Gesamtkosten des Denkmals beliefen sich trotz aller Einsparungen auf rund eine Million. 

Der Denkmalkomplex gliedert sich in drei Teile: eine untere, halbkreisförmige Ringterrasse, die zum Teil aus dem Fels gehauen ist und durch einen hohen, künstlichen Unterbau zum Hang hin gestützt wird. Es folgt ein halbrunder Unterbau mit einer Freitreppe, der die Baldachinarchitektur trägt.  In der Frontmauer des Sockels befindet sich die Inschrift „Wilhelm dem Großen” mit dem Zusatz „die Provinz Westfalen”. Die Inschrift wird von zwei Wappenschilden gerahmt, die eine Kaiserkrone mit Kronenbändern und den Rand einer Sonnenscheibe mit Strahlenkranz zeigen. Rechts und links davon befinden sich Treppen, die zur rechteckigen Hochterrasse führen. Diese ist mit einer zinnenartigen Brüstung gesäumt. Auf der rechteckigen Hochterrasse erhebt sich auf einem runden Sockel die Baldachinarchitektur. Sechs auf mächtigen Sockeln stehende Pfeiler verjüngen sich bis zum Kranzgesims des Bogenansatzes, gehen senkrecht weiter und enden in Höhe des Dachansatzes. Als Abschluss der Pfeiler dienen stilisierte Löwenmasken. Ein um die Bogenöffnungen verlaufender Zinnen- und Konsolenkranz trennt die Pfeilerarchitektur von der Dachkonstruktion. Die kegelförmige Dachkuppel ruht auf einem offenen Tambour mit Dreiersäulen und dient als natürliche Lichtquelle, die das Innere der Kuppel ausleuchtet. Die mit einem umlaufenden Gesims aus stilisierten Adlerköpfen dekorierte Laterne trägt die neue Kaiserkrone mit einem vergoldeten Kreuz. Die Bildhauerarbeiten am Denkmal wurden von dem Berliner Bildhauer August Vogel modelliert und von dem Bildhauer Franz Schwarz in Berlin ausgeführt. Der gesamte Denkmalsbau, einschließlich der Mauer der Ringterrasse bis zur Spitze des Kreuzes, ist rund 88 Meter hoch, der Baldachin rund 51 Meter. 

 Alle Architekturteile sowie sämtliche sichtbare Außenflächen sind aus Portasandstein unterschiedlicher Größe gefertigt. Das grobkörnige Profil des Steins und seine Quaderarchitektur unterstützen das konzeptionelle Prinzip der Monumentalisierung des Denkmals. Der im mittleren Jura gebildete Sandstein erreicht an der Porta Westfalica seine größte Mächtigkeit. Er wurde über viele Jahrhunderte hinweg beiderseits der Weser, am Wittekindsberg sowie am Jakobsberg, der sich rechts der Weser befindet, gebrochen. Die bossierten, grob geschlagenen Quader im Basisbereich sind von beachtlicher Größe und erinnern an ein cyclopisches Mauerwerk aus der Antike, wie es beispielsweise am Löwentor in Mykene oder an der Akropolis in Athen zu sehen ist. Im oberen Bereich verringert sich die Größe der Quader in Maßstab und Profilierung.    

Das zentrale Bauelement des Denkmals ist die Baldachinarchitektur, die an das christliche Ziborium erinnert. In der altchristlichen Kirchenarchitektur ist ein Ziborium ein Baldachin, der von frei im Heiligtum stehenden Säulen getragen wird und beispielsweise den Altar einer Basilika überbaut. Ein Beispiel hierfür ist das Ziborium im Laacher Münster der romanischen Abtei Maria Laach.  Aber auch Reiterstandbilder, Taufbecken oder Sarkophage wurden mit einem Baldachin überbaut. Der Magdeburger Reiter, der vermutlich Kaiser Otto I. darstellt und aus dem Hochmittelalter stammt, stand ursprünglich unter einem frühgotischen Baldachin. Dieser wurde 1651 durch die heutige barocke Ausformung ersetzt. Im 19. Jahrhundert wurde das Luisendenkmal in Gransee errichtet. Das von Karl Friedrich Schinkel im gotischen Stil geplante Denkmal zeigt den von einem Baldachin überdachten Sarkophag von Königin Luise, der Mutter von Kaiser Wilhelm I.   

Die von Schmitz geplante Baldachinarchitektur kann zusammen mit der Skulptur als moderne Form eines Altarraums betrachtet werden. Schmitz heiligt die Krone des Baldachins, indem er sie mit einem weithin sichtbaren goldenen Kreuz krönt. Betrachtet man beide Elemente als visuelle Einheit, so assoziiert man die Kaiserkrone als weltliches und das Kreuz als christliches Symbol mit einem von Gott gegebenen Herrschaftsanspruch – in diesem Kontext der Hohenzollerndynastie. Kaiser Wilhelm II. legitimierte seine Herrschaft mit dem Gottesgnadentum, indem er sie aus der Vergangenheit über die Person seines hoch verehrten Großvaters ableitete, um sie dauerhaft in die Zukunft zu tradieren. 

Zwischen den sechs Pfeilern der Hochterrasse befinden sich Treppen, die zum Inneren des Denkmals führen. Unter der Kuppel des Baldachins steht auf einem fünf Meter hohen, sechseckigen Sockel das überlebensgroße bronzene Standbild Kaiser Wilhelms I. Es ist nach Osten, der aufgehenden Sonne, ausgerichtet, wirkt stark überhöht und scheint über den Köpfen der Betrachter zu schweben. Der Bildhauer der Bronze ist Caspar Zumbusch, der 1830 im westfälischen Herzebrock geboren wurde und später vom österreichischen Kaiser Franz Josef zum Ritter Caspar von Zumbusch geadelt wurde. Caspar von Zumbusch gilt als bedeutender Monumentalbildhauer des Historismus in Österreich. Er lehrte von 1873 bis 1901 als Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Zu seinen bedeutendsten Werken in Wien zählen unter anderem das Kaiserin-Maria-Theresia-Denkmal und das Beethoven-Denkmal.

Caspar von Zumbusch sitzend vor dem Modell Kaiser Wilhelm I

Die von Caspar von Zumbusch modellierte Figur wurde in der Metallwarenfabrik Arthur Krupp in Berndorf, Niederösterreich, in gussgerechte Teile zerlegt, aus Zinnbronze gegossen und zum Standort Wittekindsberg transportiert.  Vor Ort wurden die Bronzebleche kunstvoll zusammengesetzt, sodass die Figur wie aus einem Guss erscheint.

Kaiser Wilhelm ist in einem Alter dargestellt, das etwa seinem Alter während des Deutsch-Französischen Kriegs und seiner Kaiserkrönung in Versailles entspricht, also etwa 73 Jahre. Er trägt die Uniform der Garde du Corps, die hohen Reiterstiefel, den kurzen Waffenrock, den Kürass, die seine militärische Stellung zum Ausdruck bringen. Der mit dem preußischen Adler geschmückte Krönungsmantel legitimiert seinen Herrschaftsanspruch als König von Preußen. Er ist mit dem höchsten preußischen Orden, dem Schwarzen Adlerorden, dem Hausorden der Hohenzollern, dekoriert. Um seinen Hals trägt er das Großkreuz des Eisernen Kreuzes. Sein linker Arm ist angewinkelt und stützt sich auf den Pallasch, eine Hieb- und Stichwaffe mit gerader Klinge. Der rechte Arm ist segnend erhoben, kann aber auch als schützende Geste interpretiert werden. In der Literatur wird diese Geste ambivalent ausgelegt. Sein Haupt ist mit einem Lorbeerkranz bekränzt. Sein Antlitz strahlt Zufriedenheit aus. Die sieben Meter hohe Figur wirkt in sich ruhend.

In der Endphase des Zweiten Weltkriegs intensivierten die nationalsozialistischen Machthaber ihre Bemühungen, die Rüstungsindustrie vor alliierten Luftangriffen zu schützen. Im gesamten Reichsgebiet wurden deshalb Produktionsstätten in unterirdische Stollensysteme verlegt, so auch in Porta Westfalica. Ausgebaut wurden der Denkmalsstollen am Wittekindsberg sowie die Stollen am Jakobsberg auf der gegenüberliegenden Weserseite.

Im April 1946 sprengte die britische Besatzungsmacht den unterhalb des Denkmals gelegenen Stollen. Die Befürchtung, dass dadurch das Denkmal beschädigt werden könnte, bestätigte sich nicht. Abgesehen von einigen geringfügigen Schäden durch Artilleriebeschuss kurz vor Kriegsende am Sockel des Denkmals blieb es unbeschädigt. Allerdings kam es durch die Detonation zu Erschütterungen des Berges, durch die Teile der Ringterrasse weggerissen wurden. Zurück blieb eine Abbruchkante, die viele Jahrzehnte durch eine Eisenbarriere gesichert war. 

Bereits im Jahr 1896, kurz nach der Eröffnung des Denkmals, traten bauliche Probleme an der Ringmauer auf. Dies könnte ein Hinweis auf die prekäre Kostensituation während der Bauphase gewesen sein, in der beispielsweise an der Unterfütterung der Terrasse gespart wurde. 

Im Jahr 2015 beschloss der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Eigentümer eine umfassende Sanierung des Denkmals. Für die Sanierung, die auch die Neugestaltung der Gastronomie umfassen sollte, wurde ein Architekturwettbewerb durchgeführt. Der Wettbewerbsentwurf des Architekten Peter Bastian aus Münster wurde schließlich realisiert. Die Gastronomie und ein neu geschaffenes Besucherzentrum sind jetzt im Ringsockel unterhalb der Ringterrasse untergebracht, wodurch sich die Attraktivität des Denkmals erheblich gesteigert hat. 

Der wiederhergestellte Ringsockel wurde in Phalbauweise auf Kleinbauphählen errichtet, die mittels Zementsuspension in den Berg gebohrt wurden. Die Gründung erfolgte bis zu einer Tiefe von 30 Metern. Insgesamt wurden 3.800 Tonnen Zement verbaut.  Oberhalb des Sockels erstrecken sich die wieder errichteten Ringbögen, die als Aussichtsfenster der Gastronomie dienen. Insgesamt wurden hierfür über 1.500 Tonnen Obernkirchener Sandstein handwerklich verarbeitet. Das Sanierungsprojekt dauerte etwa zwei Jahre. Die feierliche Einweihung fand am 8. Juli 2018 statt.  

 

 


Literaturverzeichnis

Scharf, Helmut, Kleine Kunstgeschichte des deutschen Denkmals, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1984

Stephan Spohr, Das deutsche Denkmal und der Nationalgedanke im 19.  Jahrhundert, studies in european culture 7, Hrsg. Ludwig Tavernier, Weimar 2011 

Johannes Platz, Kaiser-Wilhelm-Denkmal, Internet-Portal „Westfälische Geschichte“

 

Bildnachweis

Caspar von Zumbusch sitzend vor dem Modell Kaiser Wilhelm I, © Neue Westfälische, Gütersloh, Foto Robert Becker