Wittekindsburg

Der Wittekindsberg ist der östlichste Teil des Wiehengebirges mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal, der sich von Porta Westfalica mehrere Kilometer nach Westen auf einem schmalen Grat bis zu einer Höhe von 290 Metern erstreckt. Der Kamm ist Teil der geologischen Formation des Mittleren Jura. In diesem Gebiet, 2 Kilometer westlich von Porta Westfalica, befindet sich die Wittekindsburg.


Wittekindsberg Porta Westfalica
Wittekindsburg

Wittekindsburg

Benektinerinnen

Benektinerinnen

Margarethenkapelle

Margarethenkapelle

Kreuzkirche

Kreuzkirche

Königslinde

Königslinde

Im Gegensatz zu den aus dem Mittelalter bekannten steinernen Wehrburgen, von denen heute noch einige als Ruinen erhalten sind, gehört die Wittekindsburg zu den vielen in Westfalen-Lippe errichteten Höhenburgen, Wallburgen genannt, die als so genannte Bodendenkmäler charakteristische Merkmale aufweisen.  

Der Name Wallburg erklärt sich dadurch, dass die verbliebenen Reste nur noch als mehr oder weniger ausgeprägte Wälle im Gelände zu erkennen sind. In der vorrömischen Eisenzeit bestanden die Wälle aus einer Holz- und Erdkonstruktion, die auch mit Palisaden auf den Wällen verstärkt sein konnte.  An der Innenseite des Walls befand sich oft ein muldenförmiger Materialabzugsgraben, wie er auch am Nordwall der Wittekindsburg zu sehen ist.

Nordwall der Wittekindsburg

Ein Graben an der Außenseite entstand fast automatisch, wenn das für den Kern der Wehranlage benötigte Erdreich ausgehoben wurde.

Die zwischen 1993 und 1997 durchgeführten Ausgrabungen ermöglichten es, das ungefähre Alter der Befestigungsanlagen für die erste Bauphase zu bestimmen. Ein Walldurchbruch auf der Nordseite legte eine zweischichtige Mauer frei, deren Vorder- und Rückseite aus trocken verlegten Steinplatten bestand. Unter der abgebrochenen Mauer war die ehemalige Wallfront aus der frühen römischen Eisenzeit zu erkennen. Die unmittelbar hinter dem Wall gefundenen Reste von Keramikgefäßen datieren die erste Bauphase der Burg in das 3. bis 2. Jahrhundert v. Chr., also in die vorrömische Eisenzeit. Insbesondere die Funde von Schrägrandschüsseln erlauben eine nähere Datierung in das 3. Jahrhundert  v. Chr. Bei Ausgrabungen in einer gleichaltrigen Siedlung, 1998 in Porta Westfalica entdeckt, wurden Gefäßfragmente gefunden, die denen aus der Burg ähnlich sind, ein Fragment sogar fast identisch. Es ist also durchaus möglich, dass die Siedler im Falle einer feindlichen Bedrohung in der Burg Schutz suchten - wenn auch nicht dauerhaft, so doch zumindest für eine gewisse Zeit - eine dauerhafte Besiedlung ist für die Frühphase der Burg nicht auszuschließen. 

Bei weiteren Ausgrabungen unterhalb der Kreuzkirche konnten die Reste einer doppelschaligen Mauer aus Bruchsteinen und einer Feuerstelle freigelegt werden. In der Nähe wurden zwei handgeformte kugelförmige Töpfe gefunden. Das Alter der Töpfe wird zwischen der zweiten Hälfte des 9. und ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts angesetzt. Die Radiokarbonanalyse datiert den Bereich der Feuerstelle in die Zeit zwischen 784 (+/-97 Jahre) und 821 (+/-94 Jahre).  

Die mittelalterliche Nutzung der Burg lässt sich aufgrund der geringen Anzahl archäologischer Funde nur grob einordnen.  Ein Grund für den Ausbau der Befestigung könnte die karolingische Expansion des Landes sein. Es ist anzunehmen, dass die Franken die im Stammesgebiet der Sachsen gelegenen Höhenburgen eroberten und anschließend besetzten. Die fränkischen Reichsannalen berichten von der Eroberung der Sigiburg (Syburg), einer Burg oberhalb des Zusammenflusses von Ruhr und Lenne, und der Gründung der Peterskirche durch den König (Karl den Großen) im Jahr 775.  In ottonischer Zeit - vor allem unter Heinrich I. († 936) - wurden weitere Burgen errichtet oder ausgebaut.   Diese Burgen dienten als Truppenstützpunkte und zur Verteidigung gegen die Ungarneinfälle, die im ersten Drittel des 10. Jahrhunderts zu großen Verwüstungen auf sächsischem Gebiet führten.  Die Königs- und Kaiserpfalz Werla, auf einem natürlichen Plateau an der Oker im heutigen Niedersachsen gelegen, war ein strategischer Punkt gegen die aus dem Osten einfallenden ungarischen Reiter. Heinrich I. hielt sich nachweislich im Jahr 924 oder 926 in seiner Königspfalz Werla auf. Wann genau diese Höhenburg erbaut wurde, ist nicht bekannt. 

Die Wittekindsburg ist eine rechteckige Anlage mit einer Fläche von etwa 7 Hektar, die im Osten, Westen und Norden von Wällen umgeben ist. Die Südseite wird von 7 bis 9 Meter hohen Sandsteinfelsen und einem Steilhang mit einer Neigung von 55 % begrenzt.  Die Höhenunterschiede innerhalb der Wälle betragen bis zu 45 m. Der höchste Punkt liegt im Nordwesten der Anlage und misst rund 269 Meter. Bei Ausgrabungen im Jahr 1907 wurde im westlichen Teil des Nordwalls ein Tor (Häverstädter Tor) freigelegt, das als gesichert gilt.  

Ausgrabung an der Westseite des Nordtores

 Ausgrabung an der Westseite des Nordtores

Häverstädter Tor

Das Nordtor, sog. Häverstädter Tor
Aus: Plöger, Rolf, … , siehe Literaturverzeichnis 

Weitere Tore, zum Beispiel im Süden und Osten, sind archäologisch nicht bestätigt, aber durchaus wahrscheinlich.  

Der Name der Wallburg ist wohl nicht, wie bisher angenommen, auf den altsächsischen Feldherrn Widukind (Wittekind) zurückzuführen. Die früheste urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 993 nennt diese Wallanlage "Wedegenburch", und dieser Name wurde wohl erst im 14./15. Jahrhundert durch Wittekindsburg ersetzt. Auch der im Mittelalter weit verbreitete Name Wedego/Widego ("Wido", Wald/Holz, altsächsisch) könnte den Namen beeinflusst haben. Zumindest hat sich der frühmittelalterliche Name bis heute im Namen von Gut Wedigenstein am Südhang des Wittekindsbergs erhalten.